Künstlerkolonie am Laubenheimer Platz

Von Eva Busch bis Hedda Zinner -
Frauenleben in der Künstlerkolonie am Laubenheimer Platz
Claudia von Gélieu, Tel. 626 16 51

Termine für Gruppen auf Anfrage

Von Beruf Sängerin, Schauspielerin, Schriftstellerin, Malerin, Tänzerin, Journalistin, Architektin oder Fotografin wohnten sie dort ab 1927, alleine oder mit (Ehe-)Männern, mit und ohne Kinder. Ihre Erinnerungen ermöglichen Einblicke in die Geschlechterverhältnisse unter Boheme und Linken.

 "An diesem Abend waren fast alle, die das neue Haus bewohnten bei Trude versammelt. Sie hatten sich gefunden kraft einer Verwandtschaft des Geistes, die sie in die gleiche, schwer zu erlebende, leicht lebende Zeit stellte. Sie waren nicht viele, die ersten, denen das große Haus Heimat und Familie ersetzen sollte, vorwiegend Frauen, und die Männer so kindlich jung, dass sie sich mit den Frauen verständigten wie mit ihresgleichen und gemäß den besonderen Gesetzen ihrer neuen, unbedenklichen Kameradschaftlichkeit." Dinah Nelken

 "Gustav Regler und seine Frau Mieke Vogeler sollen ebenso bedankt sein; Mieke für ihre liebevolle Fürsorge, sie lud uns zu warmen Mahlzeiten ein, nicht nur Günter und mich, auch Treptes und Popp und Stephan Wolpe" Steffi Spira

 " 'Die Franke aus dem Nebenhaus erzählt überall, die Kommunistenkinder hätten ihr Kohlenstaub auf den Sonntagsbraten gestreut', sagt Mutti zu Papa ... Papa legt seinen Bleistift aus der Hand und sieht mich aufmerksam an. ... 'Was ihr gemacht habt, ist eine große Ungezogenheit. ... Wir müssen uns alles, was wir tun, reiflich überlegen. Sonst können wir die Menschen nicht überzeugen. Denke mal in Ruhe darüber nach ...' Er wendet sich wieder seiner Arbeit zu. Mutti fährt mir mit dem Staubtuch über die Nase und geht dann dran, die Blumen zu gießen." Marianne Lange-Weinert

 "Dann kam das Tausendjährige Reich und alles war im Eimer. Wir wohnten in dieser roten Künstlerkolonie. In unseren Pässen stand als Geburtsort: Moskau und viele unserer Freunde waren 'links'. Ich habe nirgends mehr ausgestellt. Ein Jahr lang malte ich Blumen für das KadeWe ... Freunde wie Dinah Nelken und Heinrich Ohlenmacher wanderten aus ..." Elena Liessner-Blomberg

 "Mit Illegalität hatte ich nichts zu tun. Meine Welt ging kaputt, die wollte ich verteidigen. Ich hatte am 30. Januar 1933, als Hitler Reichskanzler wurde, mein Vaterland verloren. Besonders die antisemitischen Nürnberger Gesetze (1935), die einen Teil der Bevölkerung willkürlich aus der Gemeinschaft ausschlossen, gingen mir unter die Haut. Diesen verfolgten Menschen wollte ich helfen." Helene Jacobs

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