Wohnorte, Wirkungsstätten und Denkmäler

Stadtrundfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

 Claudia von Gélieu, Tel. 626 16 51, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Doktor der Nationalökonomie, Chefredakteurin einer Tageszeitung, Dozentin, linke Theoretikerin, Streiterin für menschliche Lebensbedingungen, vehemente Kriegsgegnerin, passionierte Naturliebhaberin, ... An ihren Wohnorten, Arbeitsstätten und Gedenkorten spüren wir dem öffentlichen Wirken dieser ungewöhnlichen Frau ebenso nach wie ihrem privaten Leben. Gefragt wird, welche Rolle ihr Geschlecht bei ihrem politischen Wirken spielte und ob sie sich wirklich nicht in Frauenfragen engagierte.

 Rosa Luxemburg an Hans Diefenbach, 23. Juni 1917:

Sie haben doch wohl auf dem Kopenhagener Kongress Camille Huysmans gesehen, den großen Jungen mit den dunklen Locken und dem typischen Vlamengesicht? ... Zehn Jahre lang gehörten wir beide dem Internationalen Bureau an und zehn Jahre lang hassten wir einander, sofern mein »Taubenherz« eines solchen Gefühls überhaupt fähig ist. Weshalb – ist schwer zu sagen. Ich glaube, er kann politisch tätige Frauen nicht leiden, mir fiel wohl sein impertinentes Gesicht auf die Nerven. Es fügte sich nun bei der letzten Sitzung in Brüssel ... dass wir zum Schluss einige Stunden zusammen waren. Ich saß gerade – es war in einem eleganten Restaurant – bei einem Strauß Gladiolen, die auf dem Tisch standen und in deren Anblick ich mich ganz vertiefte, ohne mich an dem politischen Gespräch zu beteiligen. Dann kam die Rede auf meine Abreise, wobei meine Hilflosigkeit in "irdischen Dingen" zum Vorschein kam, mein ewiges Bedürfnis nach einem Vormund, der mir das Billet besorgt, mich in den richtigen Zug steckt, meine verlorenen Handtaschen einsammelt – ... Huysmans beobachtete mich schweigend die ganze Zeit, und der zehnjährige Hass wandelte sich in einer Stunde in glühende Freundschaft. Es war zum Lachen. Er hatte mich endlich schwach gesehen und war in seinem Element. Nun nahm er sofort mein Schicksal in die Hand, ... er [brachte] mich natürlich zum Zug, trug selbst meinen Koffer, saß dann noch im Coupé mit mir und beschloss plötzlich: "Mais il est impossible, de vous laisser voyager seule!" [Es geht wirklich nicht, Sie allein reisen zu lassen!] Als ob ich wirklich ein Säugling wäre. Kaum habe ich ihm ausgeredet, dass er mich wenigstens bis zur deutschen Grenze begleitete, er sprang hinaus, erst als der Zug in Bewegung war, und rief noch "Au revoir a Paris!"